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16.06.2016 11:29:13

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Verein der Gartenfreunde Süd-Lehe e.V.
Dorumer Weg


Gegründet:
Größe:  qm

Anzahl Gärten: 104

Vereinsgeschichte

Aus der Sicht des Jahres 1992 anlässlich des 60-jährigen Bestehens


1932, während der Weltwirtschaftskrise, als auch in den Unterweserorten ein hoher Prozentsatz schlecht versorgter Arbeitsloser vorhanden war, haben sich ein Dutzend Männer zusammen getan, um etwas gegen die erzwungene Beschäftigungslosigkeit und die schlechte Versorgungslage ihrer Familien zu tun. Etwa dort, wo jetzt die Bremerhavener Stadthalle steht, war ein Stück versumpftes Land, möglicherweise die Reste des früheren Leher Hafens. Die Gründungsväter des Vereins besorgten sich Geleise und Kipploren und füllten dieses Gelände mit Erde auf, um darauf Kleingärten zu errichten. Dies war der Beginn der Vereinsgeschichte.


Die Gründung erfolgte 1932 unter dem Namen „Kleingartenverein Süd-Lehe e.V.“. Als Gründer und 1.Vorsitzender ist uns Gartenfreund Gustav Rehe in guter Erinnerung, der über Jahrzehnte die Geschicke des Vereins geleitet und begleitet hat.


In der Nähe der Stresemannstraße befand sich an der Geeste, etwa dort, wo heute der Bremerhavener Ruderverein und einige Gewerbebetriebe ihr Domizil haben, die sog. Fuhrparkweide. Der Fuhrpark der Stadt Bremerhaven, damals noch Wesermünde genannt, arbeitete früher mit Pferden, die in den 30er Jahren nicht mehr benötigt wurden. Diese Weide wurde frei und den Kleingärtnern des Vereins zur Nutzung übergeben. Dort entstanden vor dem 2. Weltkrieg etwa 40 Gärten, auf der Ostseite begrenzt durch die noch nicht ganz fertiggestellte Stresemannstraße, auf der West- und Nordseite durch den Geestedeich.


Im 3.Reich wurden die demokratischen Strukturen des Vereins zerschlagen. Es wurde nicht mehr gewählt und beschlossen, sondern angeordnet und geführt. An Stelle unseres demokratisch gewählten Vorstandes, Gustav Rehe, trat ein Vereinsführer namens Bierwirth, der bis zum Kriegsende den Verein leitete. Es war zum Glück ein Mann, der nicht jeden braunen Quatsch mitmachte und den Verein sicher über diese schlimme Zeit hinwegbrachte.

Nach Ausbruch des 2.Weltkrieges wurde der Teil eingerichtet, den wir heute Anlage Buschkämpen nennen; das war 1942.


Diese Anlage hat 44 Gärten. Mit einem großen Teil Selbsthilfe sowie auch mit damals schon vorhandener öffentlicher Förderung wurden auf diesem Gelände Holzlauben einheitlicher Ausrichtung mit einer Größe von etwa 12 m2 errichtet. Einige dieser Holzlauben mit später hinzugefügten Anbauten sind dort noch zu sehen. Dafür gab es öffentliche Darlehenszuschüsse in Höhe von 600.-RM, die abgetragen werden mussten. Diese Anlagen erhielten damals die etwas phantasielose Bezeichnung „Kolonie Abschnitt I“.


Auf der gegenüberliegenden Seite, in dem Gebiet, in dem sich jetzt der Wremer Weg und der Neuenwalder Weg befinden, wurde auf Kirchenland 1943 eine Kleingartenkolonie zu den selben Bedingungen eingerichtet. Auch hier fanden 35 Kleingärten Platz, in den gleichen Holzlauben wie in Abschnitt I, völlig einheitlich in Größe und Form, streng nach Bauflucht ausgerichtet.


Den Kleingärtnern wurde damals empfohlen, zur Verbesserung der Ernährungssituation Kaninchen und Hühner zu halten. Saatgut und Gemüsepflanzen waren von den Märkten längst verschwunden und wurden durch den Staat den Vereinen zugeteilt, die ihrerseits sich mit dem Problem der gerechten Verteilung an ihre Kleingärtner herumschlagen mussten.


Die Bombenangriffe der Jahre 1942/1943 und insbesondere der große Angriff am 18.09.1944 führten zu einer ungeheuren Wohnungsnot im heutigen Bremerhaven. Viele ausgebombte Bürger fanden Zuflucht in diesen kleinen Holzlauben und mussten dort wohl oder übel eine notdürftige Bleibe finden. Dieses war ein schweres Erbe für den nach dem Krieg demokratisch gewählten Vorstand mit dem Vorsitzenden Kurt Ludwig.


Die Kleingartengebiete in Buschkämpen I + II und in der Fuhrparkweide waren durch die Kriegseinwirkungen faktisch Notaufnahmelager mit allen damit zusammenhängenden Problemen. Es ging um die Wasserversorgung, die Stromversorgung, die Kleintierhaltung und die vielen Nachbarschaftsprobleme, die immer dann entstehen, wenn Menschen auf engstem Raum notdürftig miteinander leben müssen.


Die Kleingärtner ließen sich jedoch nicht entmutigen, besannen sich auf ihre ursprüngliche Aufgabe und versuchten so gut wie es geht, ihre Gärten wieder einer ordentlichen kleingärtnerischen Nutzung zuzuführen.


Die Wiederaufbauphase, die in allen deutschen Städten begann, hat auch in Bremerhaven Land gefressen. Davon blieben auch die Kleingärtner nicht verschont. Der starke Bedarf an Wohnungen und öffentlichen Einrichtungen bewirkte erhebliche Verluste an kleingärtnerisch genutzten Flächen. Die Anlage Fuhrparkweide ging verloren, ebenso das unter so viel Mühen eingerichtete Kleingartengelände an der Unterweserwerft sowie der sog. Abschnitt II, jetzt Wremer Weg/ Neuenwalder Weg. Übrig blieb der bescheidene Rest von 44 Kleingärten in der Anlage Buschkämpen.


Großer Dank gebührt den Vorsitzenden dieser Zeit Heinz Otten, Otto Brinkmann, Jonny Franz und Günter Scholl, die ihren Kleingärtnern Mut machten und durch ihre feste Haltung dazu beitrugen, dass Politiker und Behörden der Stadt Bremerhaven erkannten: Kleingärten sind kein Bauerwartungsland, sondern gehören als fester Bestandteil der Grünplanung der Stadt zum öffentlichen Grün und müssen als Wert an sich für die gesamte Bevölkerung erhalten und vermehrt werden. Diese feste Haltung trug Früchte. Auch diese schöne Anlage Buschkämpen sollte nämlich einmal zu einem 1-Familienhaus-Gebiet umgestaltet werden.


Leidenschaftliche Proteste der Kleingärtner einerseits und anerkennenswerte Einsicht der Politiker andererseits haben es bewirkt, dass diese Anlage wieder zu einem anerkannten Dauerkleingartengebiet wurde.


Seit 1978 bewirtschaftet dieser Verein, der sich nunmehr „Verein der Gartenfreunde Süd-Lehe e.V.“ nennt, eine weitere Anlage im Ackmanngebiet unter dem Namen „Geeste-Aue“ mit 42 Gärten. Diese Kolonie wurde mit öffentlichen Mitteln erheblicher Größenordnung gefördert und darf getrost als Beispiel vernünftiger, sinnvoller und nachahmenswerter Kleingartenpolitik der Stadt Bremerhaven genannt werden.


Anstelle bisher völlig einheitlicher und in Bauflucht aneinandergereihter Typenlauben wurde eine Mischung 3 verschiedener Laubentypen in wechselnden Standorten auf den Parzellen geplant und gebaut. Diese Anlage wurde Anfang der 80er Jahre um weitere 18 Dauerkleingärten nach dem Süden zur Geeste hin erweitert.


Aufgrund der guten Erfahrungen ging man noch einen Schritt weiter und erlaubte den Kleingärtnern, innerhalb zwischenzeitlich vom Gesetz festgelegter Größen sich den Laubentyp auszusuchen, den sie sich wünschten.


In all den Jahren fanden sich immer wieder tatkräftige Frauen und Männer, die bereit waren, zum Nutzen aller Vereinsmitglieder ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Es werden außer den bereits Angesprochenen hier und jetzt keine weiteren Namen genannt, da denn mit Sicherheit jemand vergessen wird, der es ebenfalls verdient hätte.


Das Bemühen der Gartenfreunde, nicht nur für die Parzellen-Inhaber ein Stück geliehenes Grün zu schaffen, sondern auch für Bürger, die uns besuchen möchten, eine ansprechende und einladende Anlage vorzuweisen ( in jeder unserer Kleingartenanlagen befinden sich z.B. ein Kinderspielplatz), ist vom Bund, vom Land, von der Stadt und auch von den übergeordneten Kleingartenorganisationen stets gewürdigt worden. Dieses weisen Urkunden und Plaketten aus, die dem Verein im Laufe der Jahre verliehen worden sind und sich in unserem kleinen Vereinsheim in der Anlage Buschkämpen befinden.


Es bleibt die Hoffnung, dass in den nächsten 60 Jahren die Vereinsgeschichte nur noch durch „auf“ und nicht durch „ab“ gekennzeichnet ist.